Laufender gesunder Hund

Die Sprache der Hunde!

„Wir sprechen ZU unserem Hund und nicht MIT ihm“

Wir alle wissen es: In menschlichen Beziehungen hängt erfolgreiche Kommunikation mindestens zur Hälfte von unserem Willen ab, zuzuhören, was das Gegenüber zu sagen hat. Bei unseren Hunden jedoch tun wir uns eher schwer damit und betreiben häufig eine Einweg-Kommunikation: Wir teilen dem Hund etwas mit, und er soll lernen, das zu verstehen und angemessen darauf zu reagieren. Wir sprechen ZU unserem Hund und nicht MIT ihm.

Dabei haben uns unsere Vierbeiner viel zu sagen und teilen uns fortwährend mit, wie sie sich fühlen. Sie verfügen über ein umfangreiches Kommunikations-Repertoire, mit dem sie zu Artgenossen und Menschen gleichermaßen „sprechen“. Davon zu wissen und die Hundesprache zu verstehen, bringt ganz neue Qualitäten für unser Zusammenleben mit sich. Insbesondere das Wissen um die sogenannten „Beschwichtigungssignale“ eröffnet regelrechte Tore zur Hundewelt. Schnüffeln wir doch einmal hinein!

Was sind Beschwichtigungssignale … und wofür sind sie gut?

Beobachtungen an frei lebenden Wölfen haben gezeigt, dass sie Meister im Konfliktlösen sind. Sie vermeiden Auseinandersetzungen, wann immer es geht. In diesem Zusammenhang hatte man schon relativ früh erkannt, dass Wölfe über ein umfangreiches Repertoire an Signalen verfügen, die dazu dienen, Konflikte zu entschärfen und Spannungen abzubauen. Allerdings wurden diese Signale lange Zeit nicht richtig erforscht, außerdem hatte man ihre Existenz nicht auf die Hundewelt übertragen. Auch Hunde wenden regelmäßig konfliktlösende Signale an – von Welpenbeinen an bis ins hohe Alter. Jeder Hund, überall auf der Welt, sendet diese Signale aus und kann sie seinerseits auch lesen. Eine Vielzahl verschiedener so genannter Beschwichtigungssignale (oder auch: „Calming Signals“) wurde identifiziert. Konflikte entschärfen, Spannungen abbauen, sich selbst oder andere beruhigen: Darum geht es auch, wenn Hunde Beschwichtigungssignale anwenden. Beschwichtigungssignale / „Calming Signals“ sind damit gleichermaßen Stimmungsbarometer, Friedensstifter, Mittel der höflichen Kommunikation und auch Warnsignale für sich anbahnende Konflikte – und damit ganz wichtig, wenn es darum geht, Hunde zu verstehen. Beschwichtigungssignale werden sowohl anderen Hunden als auch Menschen gegenüber angewandt. Es gibt bloß einen Unterschied:

Zumindest gut sozialisierte Artgenossen „antworten“ bzw. reagieren im Regelfall auf die ausgesandten Beschwichtigungssignale. Das Gegenüber signalisiert seinerseits „Ich habe dich verstanden / bin friedlich / nicht an einem Konflikt interessiert“. Wir Menschen sind da schwerer von Begriff – und das kann arg frustrierend für den Hund sein: Er teilt uns seine Befindlichkeit mit – und wir reagieren (aus Unwissen) nicht darauf. Oder noch schlimmer: Weil wir manche Beschwichtigungssignale (zum Beispiel: Verlangsamung von Bewegungen, Wegdrehen des Kopfes, siehe unten) irrtümlich als „Sturheit“ oder „Ungehorsam“ deuten, bestrafen wir den Hund sogar dafür… Tun wir also etwas für unsere Beziehung und werfen einen Blick auf das große Repertoire an Beschwichtigungssignalen, über die auch unser persönlicher Vierbeiner verfügt.

Welche Beschwichtigungssignale gibt es?

Bestimmt haben Sie das eine oder andere der folgenden Beschwichtigungssignale schon bei Ihrem Hund beobachtet. Die Auflistung ist nicht abschließend, sondern beinhaltet nur die „gängigsten“ – es gibt noch mehr! Die Bilder, die Sie zur Illustration sehen, sind allesamt nicht extra für diesen Zweck geschossen worden. Wir haben einfach unsere eigenen Fotos durchgeschaut – und eine Menge Beschwichtigungssignale in dafür „typischen Situationen“ entdeckt. Natürlich können wir nicht in die Hundeköpfe schauen und 100%ig sagen, was in ihnen vorging, als sie die Beschwichtigungssignale zeigten. Wir erlauben uns daher, die Bilder aus unserer Erfahrung heraus zu interpretieren.

Schlecken der Nase / Züngeln:

Natürlich benetzt sich Ihr Hund auch die Nase, wenn er gerade etwas Leckeres verspeist hat oder ihm vor dem Essen das Wasser im Munde zusammenläuft. Es gibt jedoch eine Menge Situationen, in denen das „Züngeln“ (Zunge fährt über die Nase, kurz oder auch deutlich wahrnehmbar) als Calming Signal eingesetzt wird. Achten Sie einmal darauf, wenn Sie sich beim Anleinen oder im Hundetraining etwas zu sehr über Ihren Hund beugen oder ihm ein Besucher etwas unbeholfen von oben auf den Kopf patscht. Ganz häufig kommt dann kurz die Zunge heraus. „Etwas unangenehm“ könnte das in diesem Kontext heißen.

Blinzeln / Zusammenkneifen der Augen:

Ein weiteres Calming Signal ist das Zusammenkneifen der Augen. Einige Hunde senken auch den Blick oder lassen die Augen von rechts nach links wandern. Das kommt zum Beispiel vor, wenn wir unseren Hunden ins Gesicht starren oder die Kamera auf sie richten, genau so aber im Kontakt zu anderen Hunden.  

Den Kopf zur Seite drehen:

Das Abwenden des Blickes oder sogar des gesamten Kopfes ist ein oft zu beobachtendes Beschwichtigungssignal. Ohnehin gilt direkter Blickkontakt und Anstarren unter Hunden als unhöflich und wird von gut sozialisierten Hunden vermieden.

Gähnen:

Ganz klar: Hunde gähnen genau wie wir, wenn sie müde sind!

Aber: Gähnen gehört auch zu den häufig gezeigten Beschwichtigungssignalen und hat dann nichts mit Müdigkeit zu tun. Achten Sie einmal darauf, wenn Sie Anstalten machen, zum Spaziergang aufzubrechen und Ihr Hund ist deshalb schon ganz aufgeregt. Viele Hunde gähnen in solchen Situationen – vermutlich, um sich selbst zu beruhigen.

Sich abwenden / sich mit dem Rücken zum Hund oder Menschen stellen

Hunde beschwichtigen uns Menschen und ihresgleichen, indem sie sich umdrehen und ihrem Gegenüber den Rücken zudrehen. Einige Hunde drehen sich bei der Begrüßung ihrer Menschen um und strecken ihnen ihren Rücken entgegen.

Verlangsamung von Bewegungen:

Bestimmt kennen Sie Situationen wie diese: Sie gehen morgens mit Ihrem Hund spazieren, sind mit Ihren Gedanken vielleicht schon halb bei der Arbeit und haben es ein wenig eilig. Weil Ihr Hund wieder einmal ewig an einem Baum die Zeitung liest, rufen Sie ihn mit etwas Ungeduld in der Stimme – er soll sich mal ein bisschen beeilen. Doch was tut dieser? Trödelt scheinbar noch mehr rum, kommt gaaaanz langsam auf Sie zu. Oder: Sie sind auf dem Hundeplatz und sollen mit Ihrem Hund das bislang geübte vorführen. Sie sind ein wenig nervös, weil alle zuschauen. Sie geben Ihrem Hund ein Kommando – und statt es blitzartig (wie sonst immer) auszuführen, bewegt sich Ihr Hund nur noch in Zeitlupe.

In beiden Fällen ist es wahrscheinlich, dass Ihr Hund auf Ihre Anspannung reagiert, die sich ihm durch kleinste Veränderungen von Stimme und Körpersprache mitteilt. Die Verlangsamung von Bewegungen gehört zu den Beschwichtigungssignalen – und ist in den beschriebenen Situationen oft ein ein gut gemeinter Versuch des Hundes, die Situation zu entspannen („alles gut, bloß keinen Stress“). Von uns Menschen wird das häufig gründlich missverstanden: „Warum um Himmels Willen ist der Hund langsam, wenn es darauf ankommt?“ Sein Beschwichtigungsversuch wird von uns oftmals als Ungehorsam Ignoranz oder gar „Dominanz“ interpretiert.

Am Boden schnüffeln

Hunde lieben Gerüche – und haben ihre Nasen häufig am Boden, das ist klar. Allerdings wird das Schnüffeln auch – deutlich wahrnehmbar – als Beschwichtigungssignal eingesetzt, denn es wirkt stark deeskalierend. Zur Anwendung kommt das Schnüffeln häufig in der Begegnung mit Artgenossen.

FAZIT:
Fangen Sie an Ihren Hund zu „lesen“, dass hilft Ihnen bei der Kommunikation

Beschwichtigungssignale unter Hunden: höchstwünschenswert

Freuen Sie sich, wenn Sie einen Hund haben, der im Umgang mit anderen Hunden viele Beschwichtigungssignale anwendet! Geben Sie ihm genug Freiraum, diese Signale auch zu zeigen und beobachten Sie die faszinierende Bandbreite der Kommunikation, die sich dadurch ergibt.

Schlecken Stand Augen Zeichnung

 

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